Manuelle Lymphdrainage
Die manuelle Lymphdrainage ist eine sanfte Grifftechnik, die gestaute Gewebeflüssigkeit zurück in das Lymphgefäßsystem leitet. Sie wird ärztlich verordnet und ist Bestandteil der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE).
Wie sie wirkt
Neben dem Blutkreislauf hat der Körper ein zweites Transportsystem: das Lymphgefäßsystem. Es sammelt Gewebeflüssigkeit, filtert sie in den Lymphknoten und führt sie in den Blutkreislauf zurück. Werden Lymphbahnen bei einer Operation oder Verletzung unterbrochen, oder reicht ihre Transportkapazität nicht mehr aus, staut sich die Flüssigkeit im Gewebe — es entstehen Schwellungen und Ödeme.
Bei der manuellen Lymphdrainage verschieben wir diese Flüssigkeit mit kreisenden, rhythmischen Griffen und sehr leichtem Druck in Richtung gesunder Lymphbahnen. Gearbeitet wird an Haut und Unterhaut, nicht an der Muskulatur. Anders als die klassische Massage soll die Lymphdrainage die Durchblutung ausdrücklich nicht steigern.
Vodder oder Földi — welche Schule ist die richtige?
In Deutschland haben sich zwei große Schulen der Lymphdrainage etabliert: die nach Emil Vodder, der die Technik in den 1930er Jahren entwickelte, und die nach Prof. Dr. med. Michael Földi, der sie in ein umfassendes Therapiekonzept für Lymphödeme eingebettet hat. Die Grifftechniken überschneiden sich stark; unterschiedlich sind vor allem Aufbau, Reihenfolge und die Gewichtung der begleitenden Maßnahmen.
Wir sind in beiden Schulen ausgebildet und kennen die Unterschiede genau. Wir arbeiten nicht dogmatisch, sondern wählen die Technik, die zu Ihrem Befund passt. Für Sie als Patientin oder Patient ist die Schule daher kein Auswahlkriterium.
Wann sie verordnet wird
- Lymphödeme — angeboren (primär) oder erworben (sekundär), etwa nach der Entfernung von Lymphknoten
- Schwellungen nach Operationen, zum Beispiel nach dem Einsetzen eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks (TEP)
- Orthopädische und traumatologische Schwellungen — Verstauchungen, Zerrungen, Muskelfaserrisse, Prellungen
- CRPS / Morbus Sudeck
- Verbrennungen und Narbenbehandlung
- Schleudertrauma und Schwellungen im Kopf-Hals-Bereich
- Lipödem, meist begleitend zur Kompressionstherapie
Ob eine Lymphdrainage in Ihrem Fall sinnvoll ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand der Diagnose. Wir behandeln auf Rezept.
Wie eine Behandlung abläuft
Eine Behandlung dauert je nach Verordnung 30 bis 60 Minuten. Wir nehmen uns diese Zeit bewusst — bei ausgedehnten Ödemen kann sie im Einzelfall auch länger werden. Zu Beginn schauen wir uns an, wie sich das Gewebe seit der letzten Sitzung verändert hat, und passen die Behandlung daran an.
Häufig folgt auf die Lymphdrainage eine Kompressionsbandagierung, die das Behandlungsergebnis hält. Bandage und Kompressionsstrumpf gehören für uns zur Therapie dazu — die Kompressionsversorgung ist einer unserer Schwerpunkte.
Was Sie zum ersten Termin mitbringen
Ihr Rezept, Ihre Versichertenkarte und idealerweise Bargeld für den gesetzlichen Eigenanteil. Bequeme Kleidung ist hilfreich, aber nicht nötig.