Lymphödem und Lipödem

Lymphödem und Lipödem werden häufig verwechselt, brauchen aber unterschiedliche Behandlungen. Beide begleiten wir langfristig — mit Komplexer Physikalischer Entstauungstherapie, Kompressionsversorgung und, wenn nötig, einer Entstauungswoche.

Was ist ein Lymphödem?

Ein Lymphödem entsteht, wenn die Lymphgefäße mehr Flüssigkeit abtransportieren müssten, als sie bewältigen können. Die Flüssigkeit bleibt im Gewebe zurück, das betroffene Körperteil schwillt an. Unbehandelt verhärtet das Gewebe mit der Zeit.

  • Primäres Lymphödem: angeboren — die Lymphgefäße sind von Geburt an nicht ausreichend angelegt. Es zeigt sich oft erst in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter.
  • Sekundäres Lymphödem: erworben — durch eine Operation, eine Bestrahlung, eine Verletzung oder eine Entzündung. Der häufigste Fall ist die Entfernung von Lymphknoten im Rahmen einer Krebsbehandlung.

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist etwas anderes: eine krankhafte, symmetrische Vermehrung des Unterhautfettgewebes, fast ausschließlich bei Frauen. Betroffen sind meist beide Beine, seltener die Arme — Füße und Hände bleiben ausgespart. Typisch sind Druck- und Berührungsempfindlichkeit, ein Spannungsgefühl und eine Neigung zu blauen Flecken.

Ein Lipödem ist keine Folge von Übergewicht und verschwindet nicht durch Diäten. Es kann jedoch zusätzlich ein Lymphödem entstehen — dann spricht man von einem Lipo-Lymphödem.

Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)

Die KPE ist die Standardbehandlung des Lymphödems. Sie besteht aus fünf Bausteinen, die nur zusammen wirken:

  1. Manuelle Lymphdrainage — bringt die gestaute Flüssigkeit in Bewegung
  2. Kompression — Bandage und später Kompressionsstrumpf halten das Ergebnis
  3. Bewegungstherapie — die Muskelpumpe unterstützt den Abfluss
  4. Hautpflege — geschädigte Haut ist die häufigste Eintrittspforte für Infektionen
  5. Aufklärung und Schulung zum Selbstmanagement — damit die Therapie auch zwischen den Terminen wirkt

Die Therapie läuft in zwei Phasen: einer Entstauungsphase, in der das Volumen reduziert wird, und einer anschließenden Erhaltungsphase, die das Ergebnis dauerhaft sichert.

Die Entstauungswoche

In der Entstauungsphase kommt es auf Dichte an. Wir bieten deshalb Intensivwochen an — bei uns „E-Woche“ genannt — mit täglicher Lymphdrainage und anschließender Bandagierung. In dieser konzentrierten Form geht das Volumen deutlich schneller zurück als bei einzelnen Terminen über Wochen verteilt. Ob das für Sie in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Die Reihenfolge ist wichtig: Steht eine Entstauung an, wird der Kompressionsstrumpf erst danach angemessen, nicht davor — erst dann hat das Bein das Maß, nach dem er gefertigt wird.

Kompressionsversorgung — unser Schwerpunkt

Die Bandage ist der Teil der Entstauungstherapie, der am häufigsten unterschätzt wird. Ein gut angelegter lymphologischer Kompressionsverband komprimiert das Ödem, lässt dem Gelenk aber genug Bewegungsfreiheit, um den Alltag nicht zu blockieren. Das ist Handwerk, und es ist eine unserer Stärken — nicht zuletzt, weil die Praxis aus der Lehre dieses Fachs gewachsen ist.

An die Bandage schließt die Versorgung mit Kompressionsstrümpfen an. Auf Wunsch findet sie bei uns im Haus durch das Sanitätshaus statt — Sie brauchen dafür keinen weiteren Termin an einem anderen Ort, und Anpassung, Bandagierung und Behandlung greifen direkt ineinander.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lymphödem und Lipödem?
Beim Lymphödem staut sich Lymphflüssigkeit im Gewebe — die Schwellung ist meist einseitig oder asymmetrisch, beginnt oft an Fuß oder Hand und ist in der Regel schmerzlos. Das Lipödem ist eine Vermehrung des Unterhautfettgewebes, tritt fast immer symmetrisch an beiden Beinen oder Armen auf, spart Füße und Hände aus und ist druck- und berührungsempfindlich. Beides kann gemeinsam auftreten. Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt.
Ist ein Lymphödem heilbar?
Ein chronisches Lymphödem ist in der Regel nicht heilbar, aber gut behandelbar. Ziel der Therapie ist es, die Schwellung zu verringern und das erreichte Ergebnis dauerhaft zu halten. Viele Betroffene führen mit guter Versorgung ein weitgehend unbeeinträchtigtes Leben.
Was ist eine Entstauungswoche?
In der Entstauungsphase wird sehr engmaschig behandelt — bei uns heißt das intern „E-Woche“: eine Intensivwoche mit täglicher Lymphdrainage und anschließender Kompressionsbandagierung. Das bringt das Volumen deutlich schneller herunter als eine Behandlung im Wochenrhythmus. Ob eine solche Woche für Sie sinnvoll ist und wie sie verordnet wird, besprechen wir gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Bekomme ich meine Kompressionsstrümpfe bei Ihnen?
Auf Wunsch ja: Die Versorgung mit Kompressionsstrümpfen findet bei uns im Haus durch das Sanitätshaus statt. Sie müssen dafür keinen zusätzlichen Termin an einem anderen Ort wahrnehmen, und Lymphdrainage, Bandagierung und Strumpfversorgung greifen direkt ineinander.
Muss ich die Kompression wirklich dauerhaft tragen?
In der Erhaltungsphase ja — sie ist der Teil der Therapie, der das Ergebnis der Lymphdrainage hält. Ohne Kompression füllt sich das Gewebe meist innerhalb kurzer Zeit wieder. Wenn Ihre Versorgung drückt, scheuert oder schwer anzuziehen ist, sprechen Sie uns an: Das lässt sich fast immer lösen.